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DIE ADLER GESCHICHTE.

 

Alles beginnt mit einer Geburt, sagt Andreas Müller, und da hat er wohl recht. 1969 war das im Fall des Adler am Schloss Inhabers, und was danach passierte, ist eine Erzählung wert. Eigentlich sogar zwei – Grund genug, das auch zu tun. Deshalb kommt er hier persönlich zu Wort und lässt unten Bilder sprechen.

Herr Müller, wie war das damals in den Sechzigern? Sind Sie satt geworden?
A.M.  Satt ja, aber nicht glücklich, was das Essen angeht. Die Voraussetzungen waren nicht sehr rosig für meinen Bruder und mich. Aufgewachsen als Scheidungskinder, aufgezogen von unserer Mutter, die Vollzeit gearbeitet hat. Sprich: Sie tat wirklich alles in ihrer Macht Stehende für uns. Trotzdem war es schwierig, damals, mit dem Essen und in der Schule. Vierte Klasse, zukunftsweisend, und dann: Sonderschule. Was für ein Schock! Ein Umzug, ein Neuanfang, plötzlich: Gymnasium. Was für eine Überraschung! Die Wahrheit lag wohl irgendwo dazwischen, und so habe ich die Realschule dann auch erfolgreich abgeschlossen. Mit schmalem Budget hat unsere Mutter uns durch die Jahre geboxt, und mit 14, noch in der neunten Klasse, zeigte sich auch bei mir die Kämpfernatur.

Kämpfernatur, weil …?
A.M.  Weil ich mich in der Alten Post in Fellbach- Schmiden bewarb. Ein kleiner Betrieb, und meine große Chance. Schon vor Beginn der Ausbildung zum Koch habe ich dort an zwei Abenden der Woche ausgeholfen, konnte mir ein gewisses Basiswissen erarbeiten. Dann startete ich ins Abenteuer Gastronomie, und siehe da: Ich war angekommen in meiner Welt. Plötzlich verstand ich, Mathematik besteht nicht nur aus Pythagoras, und Bildung hat einen echten Nutzen. Lernen ging mir auf einmal leicht von der Hand. Das zeigten auch die Noten.

Und der Abschluss – als Jahrgangsbester.
A.M.  Genau. Und als baden-württembergischer Jugendmeister, als Teilnehmer bei den deutschen Jugendmeisterschaften, in der Junioren-Nationalmannschaft der Köche, als Junioren-Weltmeister und Junioren-Olympiasieger der Köche.

Klingt beeindruckend! Aber hat es auch geholfen?
A.M.  Hat es, zum Beispiel mit einem Stipendium, das mir wiederum die Küchenmeister-Ausbildung ermöglichte. Auch diese habe ich als Jahrgangsbester abgeschlossen; und schon während der Lehrjahre habe ich begonnen, an internationalen Kochwettbewerben und Kochkunstausstellungen teilzunehmen. Aber bei allen Preisen und Goldmedaillen: Es war der Beruf an sich, der mich wirklich glücklich gemacht hat – und das bis heute tut. Die Jahre nach der Ausbildung habe ich genutzt, um sehr unterschiedliche Häuser kennenzulernen, und dann kam, was kommen musste…

… die Sache mit der Selbstständigkeit.
A.M.  Zumindest der Wunsch. Aber noch ohne jegliche Idee, wie das zu realisieren sei. Bis ich dann 25 war und sich eine neue, ganz besondere Tür öffnete.

Wohin führte die denn?
A.M.  Sie führte ins Restaurant Tafelhaus in Backnang. Obwohl da zunächst gar kein Restaurant war, aber eines eröffnen sollte. In wildem Unverstand habe ich diese Chance genutzt, ohne Eigenkapital und mit 20.000 geliehenen Mark vom Vater. Die Hälfte davon ein halbes Jahr später zurückzuzahlen, und genauso ging es immer weiter – von der Hand in den Mund, mit zwei Ausgaben bei einer Einnahme.

Aber es ging weiter.
A.M.  Jawohl, immer weiter ging es. Schon damals habe ich viel Potenzial im Catering-Bereich erkannt und war überzeugt, dass hier vieles möglich sein kann. Glücklicherweise, oder vielleicht war es auch die feste Überzeugung, konnten wir schon kurz nach der Eröffnung einen Großkunden gewinnen.
So starteten wir 1997 ins Catering, und zwei Jahre später war es soweit. Die Familien Herrmann, Kähler und Schweyher kauften ein Gebäude, wollten daraus ein Hotel und Restaurant machen…

… der Startschuss für Adler am Schloss.
A.M.  Richtig, und ich bin den drei Familien bis heute sehr dankbar, dass sie an einen jungen Mann mit Visionen geglaubt haben. Im Mai 2000 eröffneten wir – vor 15 Jahren also. Mit Freude und Stolz blicke ich auf diese 15 Jahre zurück, in denen ich mit meinem Team viel Engagement und erhebliche Summen zur Modernisierung in das Haus investiert habe. Das habe ich gerne getan, auch, weil die Zusammenarbeit mit den verantwortungsvollen Hauseigentümern stets eine hervorragende war und ist. So konnte etwas entstehen, was mir sehr am Herzen liegt.

Etwas, das einen wunderbaren Namen bekommen und sich einen Namen gemacht hat.
A.M.  Unser Motto ist unsere Philosophie: „Heimat für Feines“. Unter der Marke „Adler am Schloss“ sind hier drei gastronomische Fachbetriebe für Catering und zwei Hotels vereinigt. Unser Stammhaus ist das Adler am Schloss, das jetzt Jubiläum feiert. Und alle anderen feiern mit. Fünf Jahre nach Eröffnung haben wir 2005 tellertaxi ins Leben gerufen, als Equipment-Verleih mit allem, was im Catering- Bereich benötigt wird. Denn über die Jahre wurden die Räumlichkeiten zu eng, Restaurant und Haus konnten ihre Qualität nur halten, indem wir Adler am Schloss und Eventcatering trennten. 2008 entstanden dann auf dem tellertaxi-Gelände eine Produktionsküche, weitere Lagerräume, dazu ein Showroom für unser Equipment. Zwei Jahre darauf übernahmen wir das ehemalige Hotel Sperber, nannten es Ludwig Eins – und führen auch dieses schon wieder fünf Jahre. Ein weiteres kleines Jubiläum.

Aber nicht die letzte Expansion.
A.M.  Das stimmt: 2014 kam auf Initiative meiner Frau das Café hüftgold dazu. Nach Jahren der Kinderbetreuung wollte auch sie wieder ins Berufsleben einsteigen und verwirklichte ihren ganz persönlichen Traum vom Café. Auf grandiose Weise, wie ich finde. Schon heute können sich viele Gäste nicht mehr vorstellen, wie es ohne gemütliche Sessel, Feines, Kleines und Süßes war. Apropos: Ich wiederum kann mir nicht vorstellen, wie es ohne meine Familie gewesen wäre. Ohne sie hätte ich all das nicht umsetzen können, ohne ihre Unterstützung wäre vieles nie Realität geworden. Meine Frau gibt mir den wichtigen Rückhalt und versteht, wenn ich eben doch wieder spät nach Hause komme oder morgens um halb vier aufstehe.

Morgens halb vier: Was kann man da tun?
A.M.  Zwei Stunden Büro, Organisation und eben all das, was im Tohuwabohu des Tages keinen Platz mehr findet. Gerne würde ich sagen, dass hier auch große Pläne entstehen – aber ganz ehrlich? Ich glaube, mit dem Verzicht auf zu viel Vorausplanung gebe ich mir Zeit, auf das zu reagieren, was tatsächlich kommt. In 20 Jahren Selbstständigkeit habe ich vor allem eines gelernt: Es kommt anders, als man denkt. Und das ist gut so. Mir sind im Laufe der Zeit so viele tolle Mitarbeiter, interessante Kunden und wunderbare Gäste über den Weg gelaufen, die wiederum neue Türen geöffnet und mir neue Wege geebnet haben. Das wird auch in Zukunft so sein, darauf vertraue ich. Wir alle arbeiten im Team ruhig und gewissenhaft weiter, mit Leidenschaft und Begeisterung, um unsere Gäste glücklich zu machen.